Der Einfluss des Wetters


Wie jemand auf eine bestimmte Wetterlage reagiert, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Einige Beschwerden treten jedoch bei bestimmten Wetterlagen verstärkt auf, beziehungsweise können sich verschlechtern. Wenn die Wetterlage länger andauert, klingen die Beschwerden manchmal ab - der Organismus hat sich angepasst.
Eine Ausnahme beim Wetter ist der Föhn, eine Ausnahme bei den Beschwerden das Rheuma. Aber überschätzen Sie das Wetter nicht: Ungefähr ein Drittel der Wetterlagen hat keinen Einfluss.

Wetterfühligkeit
Von Wetterfühligkeit ist dann die Rede, wenn bestimmte Wetterlagen zu Stimmungsschwankungen und Befindlichkeitsstörungen führen können. Diese können in drei Richtungen gehen: Einerseits matt, unkonzentriert, leistungsschwach, anfällig für Missgeschicke und Unfälle; andererseits angespannt, unruhig, gereizt bis aggressiv; schließlich niedergeschlagen, pessimistisch, ängstlich und verwirrt.

Wetterempfindlichkeit
Eine chronische Krankheit, Belastungen durch Operationen und Verletzungen oder höheres Alter können zu einer beträchtlichen Empfindlichkeit für Wettereinflüsse führen. Das "Grundleiden" kann Asthma, ein überstandener Herzinfarkt oder alte Verletzungen sein. Asthma kann sich verschlechtern, Herzrhythmusstörungen sind möglich, Narben schmerzen plötzlich. Rheuma macht fast immer wetterempfindlich. Bei der Auswertung eines Herzinfarktregisters in Deutschland wurde festgestellt, dass 72 Prozent der Frauen und 46 Prozent der Männer noch zwei bis zehn Jahre nach dem Herzinfarkt unter extremer Wetterfühligkeit leiden. Geradezu klassisch sind Schmerzen nach Amputationen. Relativ häufig sind auch Krämpfe und Koliken sowie Verdauungsbeschwerden.

Warum reagieren wir auf das Wetter?
Reagieren tut jeder Mensch auf das Wetter. Manche empfinden den Einfluss des Wetters aber nicht als unangenehm. Der Körper passt sich in der richtigen Geschwindigkeit an.
Dass Menschen und Tiere auf das Wetter mehr oder weniger stark reagieren, ist offensichtlich. Was dabei passiert, weniger. Verwunderlich ist das nicht, denn da kommen zwei sehr komplizierte Systeme zusammen. Beim Wetter mischen Temperatur, Feuchtigkeit und Wind, Luftdruck, Ionen und elektromagnetische Phänomene mit. Dabei geht es vor allem um die so genannten Sferics - natürliche elektromagnetische Impulse, die auf Entladungen in der Atmosphäre zurück gehen. Erzeugt werden sie durch Blitze oder die Reibung von Luftschichten aneinander. Experimente beweisen, dass Sferics auf Wetterfühlige unterschiedlich wirken als auf Nicht-Wetterfühlige. Die Gehirnströme werden anders verändert - bemerkt haben das die Versuchspersonen aber nicht.

Auf der anderen Seite steht der menschliche Körper mit seinem Nerven- und Hormonsystem, die miteinander und mit Geweben und Organen ein tausenfach verwobenes Ganzes bilden. Wie der Körper Wetterphänomene überhaupt registriert - es gibt kein Sinnesorgan für elektromagnetische Impulse - und wie die Reaktionen darauf entstehen, verstehen wir einfach noch nicht ganz. Theorien gibt es eine ganze Menge, viele davon reine Spekulation.

Das vegetative Nervensystem
Fachleute sind sich aber einig, dass das vegetative Nervensystem wohl die größte Rolle spielen dürfte. Zu seinen Aufgaben gehört die Anpassung der unbewussten Körperfunktionen an Veränderungen in der Umwelt - Temperatur, Druck usw.

Bei Wetterfühligen dürfte das vegetative Nervensystem allzu sensibel sein und damit eine Lawine überschießender Reaktionen auf Wetterreize auslösen. Spürbar werden diese dann als hoher oder niedriger Blutdruck, Herzrasen, Kopfschmerzen oder Verdauungsbeschwerden. Für eine Beteiligung des vegetativen Nervensystems spricht jedenfalls auch die Tatsache, dass Entspannungstechniken so gut wirken.

Das vegetative Nervensystem hängt eng mit dem Hormonhaushalt zusammen. Das dürfte der zweite wichtige Bereich sein, der durch das Wetter beeinflusst wird - wenn auch indirekt über das vegetative Nervensystem. Ein Hinweis dafür: bei Föhn wird viel Stresshormon Adrenalin gebildet.

Schließlich dürfte das Gleichgewichtsorgan im Ohr eine große Rolle spielen. Das registriert auch Luftdruckänderungen und Änderungen in der Ionenzusammensetzung der Luft, wie sie bei Föhn vorkommen.

Wetterlage und Beschwerden
Auf manche Beschwerden und Krankheiten hat die Wetterlage einen - oft unangenehmen - Einfluss: Die Leiden verstärken sich oder treten zu Tage.

Maritime Kaltluft Angina pectoris, Diabetes, Erhöhung des Blutdrucks, Herz-Kreislaufkrankheiten, Koliken, Kopfschmerz, Krämpfe, Phantomschmerz, Rheuma
Kaltluft bis in große Höhen Erhöhung des Blutdrucks
Kaltes Hoch Migräne
Schlechtwetter bei Ostwind Angina pectoris, Koliken, Rheuma
Anhaltendes Schlechtwetter Angina pectoris, Koliken, Rheuma
Zentrum des Tiefdrucks Herz-Kreislaufkrankheiten, Rheuma
Zufuhr feuchter Warmluft Depression, Embolie, erhöhtes Unfallrisiko, Herz-Kreislaufkrankheiten, Kopfschmerz, Migräne, Phantomschmerz, reduzierte Blutgerinnung, Schlafstörungen, Senkung des Blutdrucks, Thrombose, Verstärkung von Entzündungen
Dauerhafte Warmluft Depression, Embolie, erhöhes Unfallrisiko, Herz-Kreislaufkrankheiten,Schlafstörungen, Verstärkung von Entzündungen
Föhn Kopfschmerz, Krämpfe, reduzierte Blutgerinnung, Schlafstörungen, Senkung des Blutdrucks

Sind Sie wetterfühlig?
Für was muss das Wetter nicht alles herhalten. Für vergessene Termine, verhaute Arbeiten und Kopfweh natürlich. Oft ist das Wetter ja schuld daran. Man muss sich aber wirklich nicht alles gefallen lassen. Lesen Sie hier, wie Sie sich dagegen wehren.

Ein Drittel bis zur Hälfte der Menschen - je nach Untersuchung - leidet an Wetterfühligkeit. Um eine Krankheit handelt es sich dabei aber nicht, betont Dr. Alois Machalek, Leiter der Beratungsstelle für Wetterfühligkeit der Stadt Wien.
"Das Problem betrifft vor allem Menschen im städtischen Raum, die sehr wenig Zeit im Freien verbringen", erzählt Dr. Machalek. Frauen trifft es etwa drei Mal so häufig wie Männer, was mit einer größeren Sensibilität und einem stärker ausgeprägten Körperbewusstsein zu tun haben dürfte. Viele spüren das Wetter mit zunehmendem Alter immer mehr - und stoßen bei den Jüngeren auf Unverständnis, bedauert Univ. Prof. Dr. Alois Stacher, Präsident der Wiener Internationalen Akademie für Ganzheitsmedizin.

Auch von der Geografie ist das Phänomen Wetterfühligkeit abhängig. In Mitteleuropa ist es verbreitet - Österreich und Deutschland gelten als die "Hochburgen" - Engländer und Norweger haben nicht einmal ein Wort dafür. Das heißt aber nicht, dass da oben nur abgehärtete Naturburschen zu Hause sind. Es liegt vielmehr am Klima, das durch das Meer ausgeglichener wird. Vor den hier üblichen kontinentalen Schwankungen bleibt man verschont.
In unseren Breiten müssen wir uns also damit herumschlagen. Der Kopf brummt, die Migräne bohrt, die Konzentration lässt nach, von der Leistung ganz zu schweigen. Es kann aber noch schlimmer kommen. Dann nämlich, wenn jemand "Grundleiden" hat, sei es Rheuma, Herz-Kreislaufkrankheiten, Asthma, ein alte Verletzung oder eine Operationsnarbe. Das alles kann das Wetter verschlimmern, sogar bis zum Herzinfarkt. In diesen Fällen sprechen Experten von "Wetterempfindlichkeit".

Was tun?
Was gegen Wetterfühligkeit hilft, wirkt auch gegen Wetterempfindlichkeit. Die Wetterempfindlichkeit wird aber kaum ganz beseitigt werden können - gelindert aber auf jeden Fall.

Machen Sie´s wie der gute, alte Goethe: Schauen Sie, bei welchem Wetter Sie sich nicht wohl fühlen. Bei Goethe war´s der Tiefdruck, vielleicht ist er´s bei Ihnen auch, oder der Föhn, oder die Kaltfronten, oder...
Experten empfehlen, sechs Wochen ein Wetterfühligkeits-Tagebuch zu führen. Ihre Eintragungen vergleichen Sie mit den Wetterberichten. Dann wissen Sie, was mit Ihnen bei welchem Wetter passiert.

Das hat einerseits den Vorteil, dass Sie sich fürs Erste den Tag danach einteilen und alles, was Ihnen in diesem Zustand besonders unangenehm ist, weglassen können. Andererseits können Sie vorbeugen. Was für die jeweiligen Beschwerden besonders hilft, besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt. Aber ein Mittel hat sich für vieles bewährt, ganz besonders für Kopfschmerzen: Melisse. Kopfwehpulver helfen nur bedingt, der Schädel bleibt trotzdem dumpf. "Melissenextrakte beseitigen die Beschwerden praktisch immer in einer halben Stunde", weiß Dr. Machalek aus langjähriger Erfahrung. Besonders rasch wirkt ein alkoholischer Extrakt, aber auch Tee, Wein oder Bäder helfen. Der Grund: Melisse wirkt beruhigend auf das vegetative Nervensystem - und das spielt bei der Wetterfühligkeit ja eine ganz zentrale Rolle. Auch andere pflanzliche Heilmittel helfen, z.B. Rosmarin, Lavendel, Salbei und Johanniskraut.

Lebensstil
Diese Maßnahmen sind aber erst der Anfang. Jetzt geht´s an den Lebensstil. Damit längerfristige Behandlungen etwas bringen, ist allerdings eines notwendig: "Man muss es auch wirklich wollen, denn meist gehört eine Änderung des Lebensstils dazu", betont Dr. Walter Trattner von der Beratungsstelle für Wetterfühligkeit in Graz. Was zu tun ist, kann individuell sehr verschieden sein, auch die Reaktion auf das Wetter unterscheidet sich von Mensch zu Mensch sehr stark.

"Alles in allem geht es um eine Stärkung der körperlichen und seelischen Konstitution", fasst Dr. Trattner zusammen, "eine zentrale Rolle dabei spielen aktive Entspannungsmethoden." Ob Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jakobson, Qi Gong, Yoga oder sonst etwas, hängt von den persönlichen Neigungen und der Art der Beschwerden ab. Bewährt haben sich auch Akupunktur und Homöopathie.

• Abhärten - hinaus bei jedem (!) Wetter, auch zum Spazieren gehen; Sauna, Wechselduschen, Kneipp-Anwendungen, ansteigende Fußbäder...
• Genuss eines regelmäßigen Lebensrhythmus finden - das bringt Energie.
• Ausreichend Schlafen - müde Menschen sind anfälliger, unter anderem für Wetterfühligkeit.
• Das Richtige essen - Obst- und Gemüse-reiche Mischkost; unter Wetterfühligen finden sich viele übergewichtige Menschen.

Was die Wetterfühligkeit verstärkt
• Stress in Beruf und Privatleben
• Ungelöste Konflikte
• Zu wenig Schlaf
• Zu wenig Bewegung
• Zu schweres Essen
• Zu viel Nikotin
• Zu viel Alkohol
• Unnötige Medikamente