Fieber - Hitze im Körper


Jeder von uns hat es hin und wieder: Fieber. Die einen fühlen sich schon bei einer Temperatur von 37,5 Grad Celsius schlapp und matt, andere laufen mit 38,5 noch munter herum. Warum der Körper mit Fieber reagiert, lesen Sie hier.

Der Temperaturanstieg im Körper wird durch verschiedene Faktoren ausgelöst. Fieber tritt vor allem auf
als Begleiterscheinung von Infektionskrankheiten;
bei der Zerstörung von Körperzellen (Unfälle, Geschwüre);
beim Eindringen körperfremder Eiweiße in den Organismus;
als allergische Reaktion;
bei Hormonstörungen und Autoimmunkrankheiten;
bei extremer Anstrengung;
bei besonders heißem Wetter;
bei einem ausgedehnten Aufenthalt in der Sonne;
als Nebenwirkung von bestimmten Medikamenten;
bei Schädigungen des Hypothalamus im Gehirn.

Bei allen diesen Ursachen lösen bestimmte körpereigene oder fremde Stoffe (Pyrogene) das Fieber aus - als natürliche Abwehrreaktion des Körpers. Sie dient dazu, die Abwehrkräfte zu steigern.

Wann spricht man von Fieber?
Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Manche meinen, erst ab 38 Grad Celsius spräche man von Fieber, darunter nur von "erhöhter Temperatur". Eines ist allerdings klar: 41 Grad Fieber ist der Höchstwert (Lebensgefahr!), denn bei dieser Temperatur beginnt das körpereigene Eiweiß zu gerinnen.

Körpertemperatur
Nicht alle Körperteile haben die gleiche Temperatur. Als Kerntemperatur bezeichnet man die Temperatur der stoffwechselaktiven Organe im Rumpf. Sie liegt bei rund 37 Grad Celsius. Die Schalentemperatur ist jener Wert, der an der Körperwand, an der Haut, an den Armen und Beinen, gemessen wird. Dieser Wert liegt bei 23 bis 32 °C.

Die Körpertemperatur schwankt innerhalb von 24 Stunden nur um den Wert von 0,6 Grad Celsius . Der niedrigste Wert ist in den frühen Morgenstunden, der höchste Wert zwischen 16 und 20 Uhr zu messen. Die normale Körpertemperatur beträgt im Mund (oral) gemessen 37 Grad und im Mastdarm (rektal) 37,6 Grad Celsius. Im Durchschnitt liegt die maximale Normaltemperatur zwischen 37,2 um 6 Uhr morgens und 37,7 Grad Celsius zwischen 16 und 18 Uhr.
Die Körpertemperatur ist stark bewegungsabhängig, sie sollte daher nach einstündiger Körperruhe bestimmt werden.
Bei alten Menschen beträgt die durchschnittliche Körpertemperatur morgens 36,2 C und nachmittags 36,6 C und liegt damit niedriger als bei jüngeren Menschen. Daraus ergibt sich, dass man bei Senioren schon bei einer Temperatur ab 37,5 C an das Vorliegen einer mit Fieber einhergehenden Erkrankung denken muss.

Richtig messen
Messungen sind im Mund, unter der Achsel, in der Leistenbeuge, in der Scheide und im After möglich.
Quecksilberthermometer sind meist aus Glas und müssen vor der Messung heruntergeschlagen werden. Batteriebetriebene Digitalthermometer sind aus Kunststoff und haben einen Messfühler, über den der Temperaturwert festgestellt und abgelesen werden kann. Mit digitalen Thermometern sollte man nur die orale oder rektale Temperatur messen. Will man unter der Achsel messen, muss man eine wesentlich längere Kontaktzeit veranschlagen, das Messergebnis ist allgemein weniger sicher. Bei der Messung entspannt sitzen oder liegen. Vor der Messung 1/2 bis 1 Stunde ruhen, da nach Anstrengung oder Aufregung die Temperatur erhöht sein kann.

Hinweis:
Wird bei sehr schneller Atmung in Mund gemessen, kann die Temperatur bis zu 3 Grad Celsius - im Durchschnitt 0,9 Grad - niedriger als bei Messung in After (rektal) liegen. Dies bedeutet: Gerade bei Fieber (schnelle Atmung!) kann die im Mund gemessene Temperatur falsch, weil zu niedrig, sein.
Thermometer sollten nach dem Messen mit Alkohol desinfiziert werden.

Schüttelfrost
Der unangenehme Schauer ist unangenehm, aber nicht bedenklich. Er ist lediglich eine Reaktion auf die Temperaturschwankungen im Körper. Die Körpertemperatur wird vom Hypothalamus, ein im Zwischenhirn gelegenes Steuerzentrum, reguliert. Wird nun der "Sollwert" erhöht, also Fieber produziert, hinkt der Körper der gewünschten Temperatur noch eine Weile hinterher, bis sie schließlich erreicht ist. Während diesem Anstieg der Temperatur - wenn sie also noch niedriger ist als sie sein sollte - empfinden wir das als Frieren. Der Organismus reagiert oft mit Schüttelfrost. Dazu zieht er Muskeln zusammen. Das nicht zu unterdrückende starke Zittern und das Zähneklappern dient dazu, den Körper schneller aufzuwärmen - genauso wie er es bei großer Kälte tut.
Und dann schwitzen...

Ist das Fieber erreicht, wird es solange gehalten, bis der Hypothalamus Entwarnung gibt und die Temperatur wieder senken will. Um die Hitze wieder los zu werden, fängt der Körper an zu schwitzen, denn das hat eine kühlende Wirkung. Beim Sinken der Temperatur kann es wieder zu Schüttelfrost kommen.

Wann soll man Fieber senken?
Fieber ist kein grundsätzlich behandlungsbedürftiges Krankheitszeichen. Im Zusammenhang mit Infektionen - vor allem durch Viren - ist Fieber in der Regel eine sinnvolle Reaktion des Körpers, da Viren bei Fieber ihre Vermehrung einstellen.
Eine Temperatur von 39 Grad Celsius ist günstig für die Tätigkeit der so genannten Fresszellen oder "Phagozyten", die eingedrungene Krankheitserreger "wegräumen".

Fieber senken soll man bei:
• Temperatur über 39,5° C im Mastdarm gemessen,
• Temperatur unter 39,5° C im Mastdarm gemessen, aber mit erheblicher Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens,
• jeder Temperatur über 38° C bei Kindern unter 6 Jahren, die bereits einen Fieberkrampf durchgemacht haben.

Achtung
Fiebersenkung ersetzt keine Diagnose, kann sogar gefährliche Krankheitsbilder verschleiern. Bei jedem Fieber unklarer Herkunft muss nach der Ursache gefahndet werden.

Wann soll Fieber möglichst rasch gesenkt werden?
Wenn der Patient direkt oder indirekt durch das Fieber gefährdet ist, besonders bei anhaltendem Fieber. Es gibt Situationen, in denen temperatursenkende Maßnahmen von lebenswichtiger Bedeutung sein können, so etwa bei Hitzschlag, Epilepsie und anderen Gehirnstörungen, bei Angina pectoris und Herzschwäche, bei älteren Patienten und in der Schwangerschaft. Aber auch hier sollen in erster Linie nichtmedikamentöse Maßnahmen gesetzt werden. Ein schädlicher Einfluss einer Fiebersenkung auf die Infektionsabwehr ließ sich bisher nicht nachweisen.

Wie senkt man ohne Medikamente Fieber?
• Übermäßig wärmende Kleider und Decken entfernen.
• Alles ausschalten, was überwärmt.
• Leichte, saugfähige Kleidung und leichte Bettdecke verwenden. Nicht sinnvoll ist das, wenn der Patient friert.
• Trinken (lassen), um einer Austrocknung vorzubeugen.
• Nicht tropfnasse Wadenwickel mit kaltem Wasser (Leitungswasser).
• Brustwickel mit zimmerwarmem Wasser (20° C).
• Leinen- oder Baumwolltücher luftblasenfrei an Waden oder Brust legen, mit trockenem Badetuch überdecken - diese letztgenannte Maßnahme kann auch unterbleiben. Wechsel alle 10-20 Minuten. Nur anwenden bei warmen Armen und Beinen. Die Umschläge häufig, alle 10-15 Minuten, erneuern - so lange bis die Temperatur auf ca. 38,5 C gefallen ist.
• Sofortiges Absetzen erforderlich bei Frösteln, kalter Haut und kritischem Temperaturabfall.
• Eine halbe Stunde nach Abnahme des letzten Wickels Temperatur kontrollieren. Wiederholung der Wickelbehandlung nur bei stabilem Kreislauf.
• Waschungen mit kaltem Wasser, eventuell mit einem Schuss Essig, oder zu gleichen Teilen Wasser gemischt mit 35-prozentigem Alkohol.
• Oft wird es vom Patienten als wohltuend empfunden, wenn man ihm Socken anzieht.
• ACHTUNG: Da es auch nach Beendigung dieser Maßnahmen noch zu einem weiteren Absinken der Temperatur kommen kann, sollte diese Art der Behandlung bei 38,0° C beendet werden.
• Topfenumschlag: Der Topfen wird 1/2 cm dick auf ein Leintuch gestrichen. Die Ränder des Tuches bleiben frei und werden umgeschlagen. Auf die zu behandelnde Körperstelle auflegen. Bettschutzeinlage nicht vergessen, da der Topfen sehr stark nässt. Nach ca. 20 Minuten wird der Topfen warm und bröckelig und muss entfernt werden. Die Hautstelle waschen, trocknen und etwas eincremen.

Vorsicht vor kühlenden Bädern!
Sie werden zwar immer wieder empfohlen, im häuslichen Alltag kann sich dieses Vorhaben als sehr schwierig gestalten - und als gefährlich herausstellen. Kleine Kinder und alte Menschen haben eine noch ungenügende bzw. herabgesetzte Fähigkeit des Kreislaufs, den Blutdruck und die Blutverteilung rasch wechselnden Verhältnissen anzupassen. Auch kreislauflabile Erwachsene und hoch Fiebernde kann man mit einem - gut gemeinten - Abkühlungsbad in bedenkliche Schwierigkeiten bringen. Abkühlende Bäder sollten nur von "kundigen" Personen (Krankenschwestern) durchgeführt oder vom Arzt überwacht werden.

Ernährung bei Fieber
Die Kost soll reich an Flüssigkeit, Kochsalz und Kalium sein. Die Trinkmenge ist so zu gestalten, dass man für den Erwachsenen etwas über 2 Liter veranschlagt und pro Grad Übertemperatur 1/2 Liter dazurechnet.

Kochsalz braucht man über 10 g pro Tag, also das Doppelte der sonst wünschenswerten Menge. Bei starken Salzverlusten durch Erbrechen, Durchfall und hohes Fieber kann man sich mit folgender Mischung helfen: 1/2 Teelöffel Kochsalz, 50 g Traubenzucker und 1 gestrichener Teelöffel Kaliumkarbonat (zugleich Kaliumersatz) auf 1 Liter Tee. Den gleich guten Zweck erfüllt eine stark gesalzene, pürierte Karottensuppe oder Reisschleim.
Als Basisgetränk zu gut gesalzenen Speisen bewährt sich ein natriumreiches Mineralwasser.

Der Kaliumbedarf liegt bei über 4 g pro Tag. Besonders kaliumreiche Lebensmittel sind Fleischextrakt, Gemüse, Gemüsesäfte, Hülsenfrüchte, Kleie, kaliumreiche Kochsalzersatzmittel, Obst, Obstsäfte, Trockenobst und Weizenkeime. Die Kost soll gut gewürzt und leicht verdaulich sein.
Günstig ist die Zugabe von Obst- und Gemüsesäften, Rohkostsalaten, Kompott, Fruchtsuppen, Milchmixgetränken, nährstoffreichen Fertigsäften, Topfenspeisen und Eiscreme. Wer sich mit dem Schlucken schwer tut, soll eine flüssig-breiige Kost erhalten. Nach Möglichkeit sollen Speisen und Getränke nach den persönlichen Bedürfnissen "wunschgerecht" sein.

Günstige Getränke bei Fieber: Leitungswasser, Mineralwasser, Fruchtsäfte und Buttermilch.